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Judo

28.06.2018 - EM-Chance nach wochenlangen Diskussionen

Nicht ohne meine Schwester, nicht ohne meinen Bruder: Die JCL-Talente Yara und Lennart Slamberger beim Training im Leipziger Sportforum.

Nicht ohne meine Schwester, nicht ohne meinen Bruder: Die JCL-Talente Yara und Lennart Slamberger beim Training im Leipziger Sportforum.
(© Foto: Christian Modla)

JCL-Talent Lennart Slamberger startet bei der U18-EM der Judoka / Zwillingsschwester Yara drückt die Daumen

Leipzig. „Ich habe mich ganz gut zurückgekämpft“, sagt Lennart Slamberger verschmitzt. Im Frühjahr konnte er die deutschen Judo-Meisterschaften der U18 für sich entscheiden, nachdem er das Turnier letztes Jahr aufgrund eines Brustmuskelrisses abbrechen musste. Ein halbes Jahr fiel das JCL-Talent aus. Nun ist er endlich Deutscher Meister, doch noch lange nicht satt. Heute startet er bei der U18-EM in Sarajevo. Doch der 17-Jährige denkt schon weiter: „Olympia 2028 ist mein großes Ziel. Daran arbeite ich, seitdem ich ein kleines Kind bin!“ Diesen Traum, in Los Angeles für Deutschland auf der Tatami zu stehen, hat er nicht alleine. Seine Zwillingsschwester Yara ist ebenfalls ein Judo-Talent – sie will auch nach L.A.: „Das ist das Größte, was man erreichen kann.“

Nachdem Yara 2017 noch DM-Bronze holte, reichte es 2018 nur für den siebten Platz. „Am Anfang der Saison in einer neuen Gewichtsklasse kämpfen, ist sehr hart. Deswegen kann ich mit dem Platz leben. Das nächste Mal ist mehr drin“, meint Yara, die sich umso mehr für den Bruder freut: „Das ist natürlich ein besonderer Ansporn. Wenn Lennart das schafft, will ich das auch erreichen.“ Dann nennt er den Grund, warum beide so stark sind: „Wir ziehen uns gemeinsam hoch, reden zu Hause über unsere Probleme und motivieren uns. Wir erzählen uns, wie man aus den eigenen Tiefs herausgekommen ist und wie man was verbessern kann.“

Yara spricht dem Bruder mit dem Satz aus dem Herzen: „Wir halten zusammen. Wenn einer kämpft, hört er den anderen jedes Mal. Da wird geschrien, gegrölt, angefeuert.“ Die Mutter der beiden Elftklässler (Sportgymnasium) kann aus Angst vor Verletzungen oft nicht hinsehen. Verletzungen? Kennen beide zu gut. Brustmuskelriss bei Lennart, Schlüsselbeinbruch bei Yara. Sie macht kein Drama draus: „Meist hat man kleinere Verletzungen. Mal einen Zeh gebrochen, mal ein Fingerbruch. Aber das merkt man sich alles gar nicht mehr.“

Gemeinsam machen sie seit mehr als zehn Jahren Judo. Begonnen hat alles in Flensburg. „Wir haben direkt neben einer winzigen Judohalle gewohnt. Die bestand nur aus einem kleinen Raum mit einer einzigen Matte. Ich hab mich sofort mit meinem Trainer verstanden, die Bewegungsabläufe lagen mir und es hat eine Menge Spaß gemacht“, erinnert sich Lennart.

Ein halbes Jahr später fing auch die Schwester an. Yara: „Früher haben wir ohnehin immer alles zusammen gemacht.“ Über die Station Herford ging es nach Leipzig, nun trainieren sie neun Mal pro Woche in der Nordanlage im Sportforum. Zudem haben sie die meisten Unterrichtsfächer zusammen, nach dem Stress geht’s gemeinsam abends nach Hause. „Natürlich gehen wir uns manchmal auf die Nerven, das ist doch ganz normal“, sagen die Zwillinge schmunzelnd. Im Training gehen sie sich eher aus dem Weg. „Jeder macht sein Ding“, sagt Trainer Denis Herbst. „Beide gehören zu den Ehrgeizigsten der Gruppe und haben eine Menge Potenzial!“

Herbst muss es wissen, er war selbst Junior-Europameister. Der Coach fordert die Judoka jeden Tag aufs Neue bis zum Limit. Dafür brauche man absoluten Willen. „In unserer Freizeit machen wir beide nichts Anstrengendes mehr. Zwei Mal am Tag trainieren, danach ist man einfach fertig. Wir schalten dann gemeinsam zu Hause ab, freuen uns aufs Bett“, erzählen die Geschwister, die nicht mehr gegeneinander antreten. „Ganz früher haben wir auch im Training gekämpft. Einmal bin ich aber sauer geworden und habe Lennart geschlagen. Seitdem lassen wir das“, sagt die eine Minute ältere Yara.

Lennart verzichtete auf die deutsche U21-Meisterschaft, weil er sich voll auf seine Chance in der U18 konzentrieren wollte: „Mein Körper braucht auch mal Ruhe. Eine internationale Medaille bedeutet für mich mehr als eine nationale.“ Sechs EC-Bronzemedaillen konnte er gewinnen, einmal standen beide Geschwister auf dem Podest.

Um Lennarts EM-Start gab es lange Diskussionen, weil der Bundestrainer ihn eigentlich in der 66- statt 60-kg-Klasse sehen wollte. Das heimische Umfeld wollte den Wechsel noch nicht, zumal er in der Regel nur zweieinhalb Kilo abnehmen muss. Doch mit dem Bundestrainer wurde das Thema zu wenig kommuniziert, plötzlich stand Lennart nicht im EM-Team. Inzwischen wurde ein Kompromiss gefunden: Der Landesverband finanziert den Auftritt in Sarajevo. Heute ist es soweit: 39 Judoka sind in der 60-kg-Klasse gemeldet. Zunächst trifft der Leipziger auf einen Gegner aus Zypern. Vier Siege sind bis zum Finale nötig – dieses hat sich der 17-Jährige bei den EC-Turnieren bislang noch aufgehoben. Anton Kämpf, Frank Schober

Leipziger Volkszeitung, 28.06.2018

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