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Judo

22.09.2013 -  Nach sechs Jahren wieder Herbst-Zeit auf der Tatami

Natalia Schauseil und Daniel Herbst präsentieren sich dem LVZ-Fotografen bestens gelaunt vor ihrer Abreise zur Junioren-EM nach Sarajevo.

Natalia Schauseil und Daniel Herbst präsentieren sich dem LVZ-Fotografen bestens gelaunt vor ihrer Abreise zur Junioren-EM nach Sarajevo.
(© Foto: Christian Nitsche)

2007 gewann Denis Herbst Junioren-EM-Gold - morgen startet Bruder Daniel

Wenn die Judo-Männer des JCL morgen im Bundesliga-Viertelfinale gegen Potsdam antreten (16 Uhr, Grube-Halle), gehen die Blicke der Trainer und Verantwortlichen parallel in den Live-Ticker aus Sarajevo. Denn zeitgleich kämpft mit Daniel Herbst ein Mitglied der Bundesliga-Mannschaft bei den Junioren-Europameisterschaften. Bereits heute ist dort Stützpunkt-Kollegin Natalia Schauseil aus Thüringen dran.

Zur Bundesliga-Premiere hat es bislang noch nicht gereicht. Für Daniel Herbst hatten in diesem Jahr andere Aufgaben Priorität, die Lehrgänge und internationalen U21-Turniere forderten alle Konzentration und kosteten Kraft. Was nicht ist, kann noch werden. Sollte der 18-Jährige mit einer starken Platzierung und Rückenwind aus Bosnien zurückkehren, wäre er sicher ein Kandidat für den Rückkampf. Doch auch die Potsdamer haben morgen drei junge Top-Kämpfer aus Griechenland und Ungarn sowie ein Eigengewächs wegen der JEM nicht am Start.

Der Leipziger Nachwuchstrainer Roman Schulze ist froh, dass nach einem Jahr ohne internationalen Startplatz der Leipziger Bundesstützpunkt bei der Junioren-EM vertreten ist. Mit seinen 18 Lenzen ist das aus Taucha stammende Talent in Sarajevo einer der jüngsten Starter und keineswegs Favorit. "Aber Daniel hat in diesem Jahr eine gute Entwicklung genommen und Klasse-Leute geschlagen." Bestes Beispiel: Als der Sportgymnasiast sein Ticket im 90-kg-Limit Anfang August in Berlin mit mehreren Ippon-Siegen löste, bezwang er auch einen Kanadier und einen Finnen, gegen die er im Frühjahr noch verloren hatte. Wie ernst Daniel Herbst das Trainings- und Wettkampfjahr nimmt, zeigt die Tatsache, dass er im Gegensatz zu den meisten Gleichaltrigen keine Zeit hatte, seinen Führerschein zu machen. Eigentlich stünde Herbst bei seiner ersten Junioren-EM unter keinerlei Druck, hätte nicht sein Bruder vor sechs Jahren vorgelegt: Damals holte Denis Herbst mit 18 Lenzen JEM-Gold, der seinerzeit zwölfjährige Daniel war in Prag live dabei. Inzwischen vertritt er die Familie auf der Tatami als Solist, weil sein hochtalentierter Bruder 2008 nach einer schweren Halswirbelverletzung aufhören musste.

Für Sarajevo hatten sich auch zwei junge Frauen des Stützpunktes qualifiziert. "Es ist schade, dass Lisa Schneider wegen einer Schulterverletzung den Start nicht wahrnehmen kann", sagt Trainer Martin Rumpf über die Delitzscherin. Der Coach hat mit Natalia Schauseil vom SV Schwarza ein weiteres Eisen im Feuer hat. "Ihr großer Fleiß ist auf Anhieb mit dem JEM-Ticket belohnt worden", sagt Rumpf, dessen 17-jähriger Schützling 2013 sowohl in der Altersklasse (U21) als auch in der Gewichtsklasse (70 kg) neu war, sich aber auf Anhieb behauptete und mit zwei EC-Medaillen in Österreich und Polen qualifizierte. Trotz der Außenseiterrolle sieht der Trainer eine Chance: "Natalia ist recht abgeklärt." Die Nerven dürften ihr also keinen Streich spielen.

Frank Schober

Leipziger Volkszeitung, 21.09.2013

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