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Kanuslalom

08.07.2013 -  Mit dem besten Gefühl für das wilde Wasser

Der Eindruck täuscht: Karolin Wagner versinkt nicht etwa in den Wellen, sondern hat alles im Griff.

Der Eindruck täuscht: Karolin Wagner versinkt nicht etwa in den Wellen, sondern hat alles im Griff.
(© Foto: Daniel Kaiser)

Leipziger Nachwuchs-Kanuten überzeugen bei den deutschen Slalom-Titelkämpfen auf der Markkleeberger Heimstrecke

Zwei kraftraubende Tage im Markkleeberger Kanupark haben sich ausgezahlt: Bei den deutschen Jugend- und Junioren-Meisterschaften glänzen die Slalomkanuten des Leipziger KC als beste Mannschaft. Besonders Karolin Wagner besteht den heimischen Parcours mit Bravour.

Zwischen Entspannung und Anspannung liegen am gestrigen Sonntag am Markkleeberger See nur wenige Meter. Während am Ufer zahlreiche Sonnenanbeter den freien Tag liegend genießen, geht es im benachbarten Kanupark am Hang hoch her: Das angepumpte Wasser bahnt sich hier mit unbändiger Kraft den Weg ins betonierte Tal - und im Nassen Element kämpfen die Nachwuchskanuten mit den Fluten.

Nach zwei anstrengenden Tagen mit Qualifikationsläufen und Halbfinal-Durchgängen verlässt manch ein Talent im Finale allmählich die Kraft. Nicht aber der Mut, es mit dem künstlichen Strom und dem Stangenparcours aufs Neue aufzunehmen.

Für Piet Wagner sind die entscheidenden Zahlen im Kanal 2 und 3 sowie 14 und 15: Diese Torkombinationen hat der Leipziger als Schlüsselstellen im künstlichen Strom ausgemacht - und liegt damit nicht falsch: Lohn für den geschulten Blick ist der Titel im Canadier-Zweier der Junioren gemeinsam mit Aaron Jüttner.

Neben dem Rennen im Wildwasserkanal gibt es noch ein weiteres, allerdings inoffizielles. Eines, das Teamkollegen, Betreuer und Trainer lautstark und laufend daneben austragen. Sie peitschen die Athleten mit Pfiffen und Anfeuerungsrufen den Parcours auf seiner vollen Länge von 270 Metern hinab, warten bereits an jeder Kurve, an jedem Tor.

Ein Teilnehmer dieser wiederkehrenden Kanuvolk-Wanderung ist Frithjof Bergner, Bundesstützpunkttrainer und Vorsitzender des Leipziger Kanu-Clubs. Sein Fazit fällt positiv aus: "Es ist schön, dass wir auch in der Breite wieder besser aufgestellt sind. Nach Jahren der Stagnation haben wir wieder ein größeres Repertoire" - und meint damit selbstredend die jungen Sportler auf dem Wasser.

Auch die Leipziger Nationalmannschafts-Kanuten stellen beim Heimspiel ihr hohes Niveau unter Beweis: Für Aaron Jüttner, Piet und Karolin Wagner sowie Philipp Reichenbach dient die deutsche Meisterschaft als abschließender Test für die Junioren-Weltmeisterschaft im slowakischen Liptovsky in 14 Tagen.

Reichenbach sichert sich Platz zwei im Einercanadier der Junioren. Auf den gleichen Rang fährt das Leipziger Boot von Fritz Lehrach und Christoph Seifert im Zweiercanadier der Jugend.

Für ihre Teamkollegin Karolin Wagner läuft es noch ein bisschen besser: Im Canadier wie im Kajak distanziert sie die Konkurrenz, beweist sie das beste Gefühl für das wilde Wasser und darf sich nun gleich doppelt deutsche Junioren-Meisterin nennen.
Trotz Heimstrecke, trotz. Favoritenrollen - oder gerade deshalb: "Ich bin vor dem Start schon sehr nervös gewesen", sagt die 17-jährige Leipzigerin nach dem Renn-Wochenende freudestrahlend und sichtlich erleichtert. Am Nachmittag löst sich der Kontrast zwischen Ent- und Anspannung allmählich auf. Weil einige neugierige Badegäste den Weg hinüber auf sich nehmen. Vor allem aber, weil beim Nachwuchs neben dem Kräfteverschleiß im Wildwasser nun auch endlich die Anspannung weicht.

Matthias Mischo

Leipziger Volkszeitung, 8.7.2013

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