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Judo

25.06.2016 - Simon sagt Ja zu Stephanie und Rio

Der Leipziger Judoka vertritt Palästina am 6. August in Rio. Foto: privat

Der Leipziger Judoka vertritt Palästina am 6. August in Rio. Foto: privat
(© Bildrechte)


Hochzeit und Olympia-Teilnahme – das sensationelle Jahr des Leipziger Judokas Simon Yacoub

Leipzig. Seit mehr als vier Wochen hat er auf diese Mail gewartet. Und wie das so ist, wenn man eine gefühlte Ewigkeit auf (elektronische) Post wartet: Irgendwann lenkt man sich mit anderen Dingen ab, um nicht zu verzweifeln. Also war es kein Zufall, dass Simon Yacoub gerade mit Frau und Freunden am „Cossi“ relaxte, als das Olympische Komitee Palästinas dem JCL-Judoka vorgestern Nachmittag die frohe Kunde übermittelte: Der 27-Jährige kann (endlich) für Rio planen und erhält wie fünf andere Palästinenser – zwei Leichtathleten, zwei Schwimmer, ein Reiter – eine Wildcard für die Olympischen Spiele.

„Die Erleichterung ist riesig, sofort habe ich Pläne für die kommenden Wochen geschmiedet“, sagt der Extraleichtgewichtler, der am Dienstag zum fünften Mal in seiner Karriere nach Japan fliegt, wo er sich unter Top-Bedingungen den letzten Schliff holt. Zuvor werden ihm heute (17 Uhr, Brüderstraße) die Fans beim Bundesliga-Spitzenduell des JCL gegen Esslingen alles Gute für Olympia wünschen – ebenso wie dem JCL-Halbmittelgewichtler Valeriu Duminica, der in Rio für Moldawien antritt.

Für Simon Yacoub wird nach seiner Hochzeit im Mai der nächste Traum wahr. Bevor es nach Japan und Brasilien geht, ließ er im LVZ-Gespräch die erlebnisreichen, aber oft sehr harten zweieinhalb Jahre Revue passieren. Die zweite Staatsbürgerschaft aufgrund des aus Palästina stammenden Vaters beantragen – und schon ist der Weg frei nach Rio? Wer sich die Sache so einfach vorstellt, ist auf dem Holzweg. Der gebürtige Leipziger investierte mindestens 15 000 Euro in Trainingslager und Wettkampfreisen, hätte allein aus finanziellen Gründen längst das Handtuch werfen müssen, wäre er nicht im März 2015 ins Entwicklungsprojekt des IOC aufgenommen worden. Stets einen engen Kontakt zum Judo-Verband und zum ehrenamtlich arbeitenden NOK Palästinas zu halten, verlangte jede Menge Disziplin. Schnell bekamen die Funktionäre ein Gefühl dafür, dass es der Leipziger mit seinem olympischen Traum ernst meint, dass er die olympischen Ideale lebt.

Zu den größten Entbehrungen zählte das Trainingscamp in Usbekistan. „Dort bin ich aufgrund der Bedingungen psychisch an meine Grenzen gestoßen.“ Es gab nur fünf Trainingspartner – die meisten waren für den 60-kg-Mann viel zu schwer. Verpflegung, sanitäre Anlagen und Unterkunft waren miserabel, das WLAN reichte nicht, um mit den Lieben daheim zu telefonieren. „Mein gebrochener Rippenknorpel war ein Signal des Körpers: Du musst hier weg.“ Es blieb nicht die einzige Verletzung – am Ellbogen waren die Bänder kaputt, an der Hand gleich drei Knochen. Zum Glück sei er um eine OP herumgekommen.

Das dreimonatige Camp bei Budapest ab Januar 2016 sei ebenfalls kein Zuckerschlecken gewesen. „Bis zur City waren es 30 Kilometer, es gab kein Café, wenig Abwechslung. Es war deprimierend, aber wir haben dem Lagerkoller widerstanden.“ Der olympische Gedanke lebte. „Trotz Sportler aus vielen Ländern und Kulturen war der Umgang immer entspannt. Viele von uns haben sich versprochen, dass wir uns mal besuchen werden. Zwei Freunde kommen aus Mauritius oder der Insel Vanuatu – das liegt noch hinter Australien. Der Joe brauchte von daheim 40 Stunden bis Ungarn, in Budapest hat er das erste Mal eine Großstadt gesehen.“

Mit der Erfahrung der vergangenen zwei Jahre würde der Physiotherapeut einiges anders angehen – bereut hat er aber nichts. „Ich würde noch mehr selbst organisieren, denn auf mich konnte ich mich immer am meisten verlassen.“ Sportlich habe er einen enormen Schub erhalten und viele Trainingssysteme kennengelernt. „Für meinen Reifeprozess war es eine wichtige Zeit, ich gehe mit Stresssituationen viel gelassener um als früher, rege mich über lapidare Situationen nicht mehr auf.“

In Brasilien bekommt er Anfang August sogar familiäre Unterstützung. Vor ihm hatte bereits Mutter Anke ihr Ticket sicher: Die Tauchaer Orthopädin wird am Rande der Olympischen Spiele einen Vortrag über Sportverletzungen halten.

FRANK SCHOBER

Leipziger Volkszeitung, 25.6.2016

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